Warnsignal für alle Anleger

4 Mai 2015
Kategorie
Allgemein

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Wir veröffentlichen an dieser Stelle eine Analyse aus unserem sehr geschätzten Newsletter der Stockstreet GmbH mit der Empfehlung für alle Anleger die Problematik und mögliche Konsequenzen zur Kenntnis zu nehmen.
Eines vorweg- die Anleger in unseren Depots sind üblicherweise durch Stop-Loss-Order gegen übermäßige Kursverluste abgesichert.

DAX-Absturz: Wo das wirkliche Problem liegt
von Torsten Ewert

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

am vorigen Mittwoch verlor der DAX 3,2 %. Damit erschreckte er nicht nur die Anleger, sondern schaffte es auch in die Nachrichtensendungen. Und so konzentriert sich die Masse wieder einmal auf das falsche Thema, denn das eigentliche Problem liegt ganz woanders.

Historischer Absturz des Bund-Futures

Der Bund-Future, also der deutsche Anleihemarkt, stürzte am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche um bis zu 1,71 % ab. Das klingt harmlos, aber für den Bund-Future stellt das einen veritablen Verlust dar. Das unterstreicht auch die Tatsache, dass der absolute Rückfall von 2,72 Punkten in zwei Tagen der zweitgrößte in der Geschichte des Bund-Futures seit 1991 ist.

Werfen wir zum besseren Verständnis für die Situation einen Blick auf den Chart:

Auffallend ist zunächst, dass durch diesen Rückfall der seit Anfang 2014 bestehende „Megatrend“ des Bund-Futures gebrochen wurde. Das ist ein extremes Warnsignal, denn das hätte „eigentlich“ nicht passieren dürfen. Dazu gleich mehr.

Zwei Fehlausbrüche vor der Rückfall

Zuvor kam es zu einem Fehlausbruch über die 160-Punkte-Marke (siehe gelbe Ellipse). Diese Marke ist von ganz besonderer Bedeutung, denn sie markiert das Niveau, bei dem die rechnerische Rendite der (synthetischen!) Anleihen, die der Bund-Future repräsentiert, auf null fällt. Der Bund-Future hat damit zwar Geschichte geschrieben, konnte dieses Extremniveau aber nicht halten.

Nach dem Rückfall von 160 Punkten fiel der Kurs auch noch unter die knapp darunter liegende Unterstützung bei 159 Punkten, womit die Abwärtsdynamik erst so richtig zunahm. Nun könnte die blaue Unterstützung bei knapp 156 Punkten eventuell den Kurs stabilisieren.

„Eigentlich“ ist der Anleihemarkt durch die EZB gut unterstützt

Aber zurück zu der Frage, warum der Bund-Future keinen solchen Rückfall hätte zeigen dürfen. Hintergrund sind die Anleihekaufprogramme der EZB, die seit Anfang März laufen. Damit ist ein großer, verlässlicher Käufer für die nächsten Monate auf dem Markt, der allen anderen Marktteilnehmern ihre Anleihen zu faktisch jedem Kurs abnimmt. Es bestand also „eigentlich“ gar kein Anlass für derartige Panikverkäufe, die es offenbar gegeben hat.

Es gilt aber auch: Die Anleihemärkte – nicht nur der Bund-Future – befinden sich in einer Blase (siehe Steffens Daily vom 27. Februar 2015). Und Blasen sind einfach nicht prognostizierbar. Außerdem passt das gemächliche Agieren der EZB auf dem Anleihemarkt sicherlich nicht zu den mitunter hektischen Aktivitäten, die andere Marktteilnehmer, insbesondere Trader, an den Tag legen. Und so kann es „zwischendurch“ schon einmal zu derartigen Ausschlägen kommen.

Wenn die Anleihenblase platzt…

Und worin besteht nun das Problem? Sie wissen, wir vertreten die Meinung, dass extreme Kursentwicklungen – sowohl bullishe als auch bearische – dazu führen, dass bestimmte Kursextreme und damit die Leidensfähigkeit der Börsianer getestet werden. Erst dann enden diese Mega-Haussen oder -Baissen. Und die 160-Punkte-Marke im Bund-Future, also ein Renditeniveau von 0 %, ist zweifellos so ein Extrem.

Damit müssen wir ab jetzt der Möglichkeit ins Auge schauen, dass nach Erreichen der 160er Marke und dem nun erfolgten starken Rückfall die Blase am Anleihemarkt platzt. Zuvor könnte es aber auch noch zu einer längeren Seitwärtsbewegung unterhalb dieser Marke kommen. Sollte die Blase jedoch platzen, würden die Renditen unter Umständen nach oben schießen. Das dürfte Banken und eventuell auch Versicherungen, die auf riesigen Stapeln von Staatsanleihen sitzen, kräftige Verluste und damit Abschreibungen bescheren. Insbesondere Banken in Krisenländern könnten dadurch in Schieflage geraten.

Aber auch die Staaten selbst wären betroffen, denn sie müssten dann wieder höhere Zinsen zahlen. Dadurch würde nicht nur Griechenland weiter unter Druck geraten, denn auch andere Länder haben es sich inzwischen in Erwartung einer vermeintlich noch Jahre andauernden Niedrigzinsphase sehr bequem gemacht. Höhere Zinsen würden deren Haushaltspläne umgehend zu Makulatur werden lassen.

Jetzt müssen wir die Anleihemärkte im Auge behalten

Über den Umweg der Finanzinstitute würde ein Anleihencrash schnell auch den Aktienmarkt erreichen. Das kennen wir schon aus der Finanzkrise vor einigen Jahren. Damit könnte ein Einbruch der Anleihen auf breiter Front das unerwartete Ereignis sein, das kein Anleger auf dem Radar hat. Und Sie wissen, Miss Börse liebt genau derartige Überraschungen!

Noch ist es nur ein erstes Warnsignal. Noch wissen wir nicht, ob dieser Einbruch eben eine Seitwärtsbewegung einleitet oder sogar einen weiteren Kurseinbruch im Bund-Future auslöst. Sie müssen jedoch ab jetzt die Anleihemärkte unter verschärfte Beobachtung nehmen. Vermeintlich „unerklärliche“ Kursbewegungen bei DAX und Co. könnten dort ihre Ursache finden. Wenn also das nächste Mal eine starke Bewegung beim DAX auftritt, dann schauen Sie nicht auf die Nachrichten, sondern auf Ihre Charts – oder in Ihren Steffens Daily.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

 

Quelle

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